Wenn wir einen geliebten Menschen verlieren, bricht unsere innere Welt zusammen. Nichts ist mehr, wie es war. Die Gefühle überschlagen sich, wechseln im Minutentakt oder verschwinden plötzlich ganz und hinterlassen eine taube Leere. Oft haben Trauernde in dieser Zeit das Gefühl, verrückt zu werden oder den Verstand zu verlieren.
Wenn es dir gerade so geht, atme tief durch: Du bist nicht verrückt. Du trauerst.
Trauer ist keine Krankheit, sondern die natürliche und gesunde Reaktion unserer Seele auf einen schweren Verlust. Auch wenn sich dieser Schmerz wie ein unkontrollierbares Chaos anfühlt, folgt er doch bestimmten psychologischen Wegen. Die bekannte Psychologin Verena Kast hat diesen Weg in vier Phasen der Trauer unterteilt. Zu verstehen, in welcher Phase du dich befindest, kann den Schmerz zwar nicht nehmen, aber es kann dir helfen, dich selbst besser zu verstehen und gnädiger mit dir zu sein.
Phase 1: Das Nicht-Wahrhaben-Wollen (Der Schock)
Die erste Phase beginnt unmittelbar nach der Todesnachricht. Alles fühlt sich surreal an – wie in einem schlechten Film, aus dem man gleich aufwacht. Du funktionierst vielleicht wie ein Roboter, organisierst die Beerdigung und wirkst nach außen hin extrem gefasst. Andere sagen dann oft: „Sie/Er ist ja unglaublich stark.“
Was in deiner Seele passiert: Diese emotionale Taubheit ist ein genialer Schutzmechanismus deiner Psyche. Der Schmerz ist in diesem Moment so gewaltig, dass er dich zerstören würde, wenn er dich ungefiltert träfe. Deine Seele baut eine Schutzmauer auf und lässt die Realität nur tröpfchenweise zu. Diese Phase kann wenige Stunden bis hin zu mehreren Wochen andauern.
Phase 2: Aufbrechende Emotionen (Der Sturm)
Irgendwann bröckelt die Schutzmauer aus Phase 1, und die Realität bricht über dich herein. Dies ist oft die schwerste und schmerzhafteste Phase. Die Tränen kommen unkontrolliert. Aber neben der extremen Traurigkeit tauchen nun oft auch andere, verwirrende Gefühle auf: Wut, Zorn, Angst oder extreme Schuldgefühle. Wut auf die Ärzte, Wut auf das Universum oder sogar Wut auf den Verstorbenen, weil er dich verlassen hat.
Was in deiner Seele passiert: Der Sturm der Emotionen ist ein wichtiges Ventil. Unterdrücke diese Gefühle nicht! Auch Zorn und Schuldfragen („Hätte ich noch etwas tun können?“) gehören zwingend zur Verarbeitung dazu. Wer diese Emotionen zulässt, verhindert, dass die Trauer chronisch wird und sich in Depressionen verwandelt.
Phase 3: Suchen, Finden und Sich-Trennen
In dieser Phase beginnst du (oft unbewusst), den Verstorbenen zu suchen. Du besuchst gemeinsame Orte, trägst vielleicht ein Kleidungsstück von ihm, sprichst in Gedanken mit ihm oder meinst, sein Gesicht in der Menge zu sehen. Es ist ein intensiver innerer Dialog. Gleichzeitig realisierst du in dieser Zeit immer schmerzlicher, dass die irdische Verbindung endgültig abgerissen ist.
Was in deiner Seele passiert: Deine Psyche arbeitet auf Hochtouren daran, eine neue Art der Beziehung zu dem Verstorbenen aufzubauen. Du lernst, dass der Mensch nicht mehr im Außen, sondern im Innen bei dir ist. Rituale sind in dieser Phase ein extremer Anker. Ein liebevoll gestalteter Gedenkort Zuhause, das bewusste Anzünden einer personalisierten Trauerkerze oder das Aufstellen eines schönen Erinnerungs-Prints helfen deiner Seele, das ständige „Suchen“ in ein beruhigendes „Erinnern“ umzuwandeln.
Phase 4: Neuer Selbst- und Weltbezug (Die Akzeptanz)
Irgendwann – und das kann Monate oder Jahre dauern – wird der Schmerz leiser. Er verschwindet nicht, aber er verwandelt sich. Er bricht nicht mehr als Tsunami über dich herein, sondern wird zu einer tiefen, warmen Melancholie. Du merkst plötzlich, dass du wieder aus tiefstem Herzen lachen kannst, ohne sofort ein schlechtes Gewissen zu haben. Du schmiedest neue Pläne und das Leben bekommt wieder Farbe.
Was in deiner Seele passiert: Der Verstorbene hat nun seinen festen, sicheren Platz in deinem Herzen gefunden. Er ist zu einer inneren Begleitfigur geworden, an die du mit Liebe und Dankbarkeit (statt nur mit Schmerz) zurückdenkst. Du hast gelernt, mit der Narbe zu leben.
Gibt es einen festen Zeitplan?
Nein. Trauer ist so individuell wie dein Fingerabdruck. Diese 4 Phasen laufen fast nie streng chronologisch ab. Meistens verlaufen sie in Wellen: Du denkst, du wärst in Phase 4 angekommen, und ein bestimmter Duft oder ein Lied werfen dich an einem Dienstagvormittag plötzlich zurück in Phase 2. Auch das ist völlig normal.
Gib dir die Zeit, die du brauchst. Trauer ist der Preis, den wir für die Liebe zahlen. Sei geduldig mit dir und deiner Seele – sie leistet gerade die schwerste Arbeit deines Lebens.
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